Artikel » Previews / Reviews » Eine neue Hoffnung ?
   

Previews / Reviews   Eine neue Hoffnung ?
27.03.2009 von Cheffe


Vom Kauf zum unmittelbaren Spielerlebnis sind es nur wenige Handgriffe. Nach der Installation wird mithilfe des auf der GameCard befindlichen Codes ein Account erstellt. Dieser enthält von Anfang an vier Charakterslots. Unseren Spielcharakter können wir mit ein paar Handgriffen individuell gestalten: Frau oder Mann? Welche Frisur, Haarfarbe, Gesicht, Hautfarbe, Färbung der Anfängerrüstung? Letztendlich bietet das Grundprogramm über 2500 Kombinationsmöglichkeiten pro Klasse (insgesamt also 15000 Kombinationsmöglichkeiten), um seinen Avatar nach Belieben zu gestalten. Natürlich ist das Wichtigste an der Avatar- Erstellung die Wahl seiner Klasse. Je nach erwünschter Spielweise gibt es sechs Charakterklassen zur Auswahl:

KRIEGER haben den größten Angriffs- und Verteidigungswert. Im Nahkampf teilen sie mit Schwert, Axt und Hammer heftige Schläge aus und pflügen als so genannte „Tanks“ durch die Gegnerreihen.
WALDLÄUFER können mit Pfeil und Bogen Zustandsveränderungen und Verletzungen beim Gegner hervorrufen. Als einzige Klasse haben sie einen treuen Tiergefährten (Raubkatzen, Wölfe, Echsen uvm.) als ständige Unterstützung.
MÖNCHE sind besonders in Kampfgruppen wichtig. Sie heilen ihre Verbündeten und erhalten sie am Leben, während sie ihre Feinde mit Peinigungsgebeten heiligen Schaden zufügen.
NEKROMANTEN sind das direkte Gegenteil zum Mönch. Mit ihrer Schwarzmagie verursachen sie Krankheiten im Feindesfeld und machen sich die verwesenden Körper gefallener Kreaturen als willenlose Diener zu Nutze.
ELEMENTARMAGIER entziehen ihre Kraft aus den Naturelementen Erde, Feuer, Wasser und Wind. Je nach ihrer Spezialisierung ändert sich auch ihre Wirkung im Kampf. So können sie zum Beispiel mit Feuermagie einen Meteorenregen auf das Gegnerfeld niedergehen lassen.
MESMER verwirren und beeinflussen ihre Gegner durch Illusionen und Beherrschungsmagie. Trotz ihrer schwachen Rüstung sind sie durch ihre Zauber sehr gefürchtete Gegner.

Zuletzt geben wir unseren Schützling noch einen Namen. Dieser muss sich aus mindestens zwei Wörtern, also z.B. einen Vor- und Nachnamen, zusammensetzen.

EIN NEUER HELD IST GEBOREN

Nach einer längeren Cut- Scene landen wir im Tutorial. Das Tutorial spielt in Ascalon, jedoch zeitlich vor dessen Zerstörung und ist separiert vom eigentlichen Spiel. Hier können wir uns mit der Bedienung und dem Gameplay in aller Ruhe vertraut machen, wobei immer mal wieder Tipp- Fenster am Bildschirmrand eingeblendet werden. Fühlen wir uns stark genug, können wir das Tutorial jederzeit verlassen. Doch bis es soweit ist, sollten wir uns am besten noch eine Weile Zeit lassen (optimal: Das Tutorial auf Level 7-9 verlassen).
Typisch für ein MMORPG: Um unseren Avatar zu trainieren, müssen wir EXP (Experience/Erfahrungspunkte) sammeln. Dies geht in "GW" zum einen durch Kämpfe mit Gegnern, vor allem aber durch das Erfüllen von Quests. Quests erhalten wir von Personen in Städten (oder in der Aussenwelt). Erkennbar sind diese an einem grünen "!"- Zeichen über ihren Köpfen. Mit einem Mausklick sprechen wir sie an und erfahren in einen kurzen Text das Problem und unsere Aufgabe.
Unsere erste richtige Quest lautet wie folgt: "Begebt euch vor das Stadttor und kümmert euch dort um eine randalierende Gruppe Flussskals!". Als Belohnung winken Items und EXP. Wir begeben uns also nach draussen.
Hier wird MMORPG- Veteranen doch ein kleines Manko auffallen: In den erforschbaren Gebieten halten sich keine anderen Spieler auf. Diese trifft man nur in den Städten, wo man mit ihnen Gruppen bilden kann (im Laufe des Spiels bestehend aus bis zu acht Spielern) um somit gemeinsam die Welt zu erkunden, aber dazu später mehr.
Wir machen also die Skalbrut am Fluss aus und nähern uns vorsichtig an. Da es unsere erste wirkliche Quest ist, gestaltet sich der Kampf mit den eher weniger aggressiven Viechern einfach. Mit ein paar simplen Angriffen liegen sie am Boden und wir können von ihnen unsere ersten Items "looten" (bezeichnet das Entnehmen von Items aus den Überresten eines Gegners). Zum dank erhalten wir von unserem Auftraggeber Erfahrungspunkte, Gold, sowie unsere ersten Fertigkeiten, von denen man immer insgesamt acht in einem „Build“ bei sich tragen kann und die uns weitere Kämpfe sichtlich erleichtern werden. Des weiteren erzählt uns der nette Herr von der Möglichkeit, unserem Avatar eine zweite Klasse anzueignen. Von einem Klassentrainer in der Tutorial- Umgebung erlernt, können so die Vor- und leider auch Nachteile zweier Klassen miteinander kombiniert werden. So ergänzt die sekundäre Klasse den Avatar um diverse Fertigkeiten. Daraus entsteht zum Beispiel aus der Kombination von Krieger und Waldläufer ein Nahkämpfer, der Fallen stellen kann und einen Tiergefährten mit sich führt.
Auch hier sollte gründlich überlegt werden, denn im Nachhinein kann diese Wahl für eine gewisse Zeit nicht rückgängig gemacht werden.

DIE REISE GEHT WEITER

So nach und nach erfüllen wir immer mehr Quests, wodurch wir neue Städte entdecken, unser Level steigt und unser Fertigkeitenaufgebot erweitert wird. Wie erwartet füllt sich auch unser Inventar so nach und nach mit von Feinden fallen gelassenen und aus Truhen und Geheimlagern entnommenen Items (wird das Inventar zu voll, können Items, die man behalten will, jederzeit ins Lager gebracht werden). Diese können in Städten bei Kaufmännern verkauft werden - oder noch besser, man handelt bei anderen Spielern einen guten Preis raus oder man tauscht sie gegen andere Items ein. Trophäen sind wiederum bei Sammlern sehr begehrt, die einem dafür spezielle Waffen anbieten.
Apropos Waffen. Mit der Zeit treffen wir auf immer stärkere Feinde, gegen die unsere Anfängerwaffe nutzlos ist. Also lohnt sich, mit genügend Gold in der Tasche, ein Besuch beim Waffenschmied. Dieser braucht jedoch zusätzlich zu seinem Sold auch ein gewisses Spektrum an Handwerksmaterialien (z.B. Eisenbarren, Holzbretter, Knochen, etc.). Diese Materialien kann man mithilfe von Wiederverwertungswerkzeugen (gibt’s beim Kaufmann) aus allerlei Items gewinnen. Ebenso kann man sich damit neue Rüstungsteile für die Bereiche Kopf, Brust, Arme, Hüfte und Beine anfertigen lassen. Des weiteren gibt es spezielle „Runen“ und Aufrüstungskomponenten zu erwerben, die man in Rüstungen und Waffen einarbeiten kann, um damit Klassenattribute und Fertigkeiten zu verbessern oder Boni, wie Vergiftung durch Schwerter oder eine verbesserte Lebenspunkteregeneration hervorzurufen.

Natürlich erhalten wir auch ständig Erfahrungspunkte, wodurch unser Level steigt. Pro Level kriegen wir Attributspunkte gut geschrieben, mit denen wir unsere Klassenattribute verbessern können. So erhöht der Krieger zum Beispiel mit dem Attribut „Stärke“ seine Angriffskraft und Verteidigung und Mesmer reduzieren mit „Schnellwirkung“ die Zeit, mit denen sie Zauber wirken.

GEMEINSAM SIND WIR STARK

Wie sich bald herausstellt ist das Kooperationsspiel bei „GW“ geradezu unentbehrlich. Sobald man das Tutorial hinter sich hat wird man auf stetig schwierigere Quests treffen, bei denen Hilfe durch andere Spieler oder durch Gefolgsleute (NPC- Charaktere, die im Kampf helfen) benötigt wird. Der Spieler wird im Laufe der Zeit regelrecht gezwungen, sich mit anderen Spielern zusammen zu tun, was ja auch eigentlich das Besondere an MMORPGs ist. So muss man zum Beispiel in den 25 Story- Missionen (und Bonus- Missionen), die einen immer weiter in Tyria voranbringen im Team arbeiten, um besonders harte Gegner nieder zu machen oder sich aufzuteilen: Während zum Beispiel die eine Hälfte der Gruppe nach einem Schalter sucht, der eine Tür öffnet, schaltet die andere Hälfte einen Katapult aus, um eine für den Missionserfolg wichtige Person zu schützen. Besonders wichtig ist auch, dass jeder Spieler seine individuelle Aufgabe kennt: Krieger kämpfen an der Front und ziehen die Angriffe der Gegner auf sich, um ihre Kumpanen zu schützen, während Mönche die Gruppe am Leben erhalten.

Wer sich fragt, was denn nun das Wort „Guild“ mit der ganzen Sache zu tun hat, hier kommt die Antwort: Dem Spieler ist es nämlich erlaubt, seine eigene Gilde (englisch „Guild“) zu gründen oder einer bereits bestehenden beizutreten. Dadurch winkt nicht nur ein cooler Gildenumhang als Accessoire, man kann sich auch über viele Kontakte freuen, die einen eventuell bei Quests helfen und Ratschläge geben.

Wie man sieht ist Kooperation bei „GW“ das A und O – und es macht einfach einen Heidenspaß, mit einer gut ausbalancierten Kampfgruppe Abenteuer zu erleben.
Und davon gibt es viele, denn die Welt von „GW“ ist riesig und kann sehr wohl mit anderen MMORPGs mithalten. Vor allem in seiner Vielfalt: So begibt man sich von den zerfallenen Ruinen von Ascalon über die verschneiten Gebirge der nördlichen Zittergipfel, durch das sonnige Küstengebiet Krytas in den Maguuma- Dschungel. Von dort aus geht es per Schiff weiter in die trockene Kristallwüste, wo den Spieler der „Aufstieg der Helden“ erwartet, eine spezielle Prüfung, bei der ihr euer ganzes Können unter Beweis stellen müsst. Doch es ist noch lange nicht vorbei. Von der Drachenhöhle, durch die südlichen Zittergipfel zu den brennenden Landen der Feuerring- Inseln vergehen schon etliche Stunden – und währenddessen entwickelt sich euer Held zu einem richtigen Kampfkoloss, der sich alsbald seiner größten Herausforderungen gegenübergestellt sehen wird.


GRAFIK

„Guild Wars“ ist ein 3D- MMORPG - und zwar mit einer der schönsten optischen Darstellungen, die man sich wünschen kann. Zu jedem Zeitpunkt wird dem Spieler eine wahre Augenweide geboten: Authentische Farben, gleißende Lichteffekte, realistische Animationen und unglaubliche Settings. Noch dazu hat jedes Gebiet, sei es nun ein verschneites Gebirge oder zerfallene Ruinen, einen ganz eigenen Stil, der dem Spieler immer wieder eine neue atmosphärische Erfahrung eröffnet.

SOUND

Die musikalische Untermalung ist wirklich sehr gelungen und aufwendig, wodurch die perfekte Fantasy- Atmosphäre geschaffen wird. Die Soundeffekte sind ebenfalls sehr gut geworden. Zusätzlich gibt es in den Filmsequenzen auch noch synchronisierte Dialoge, obwohl man sagen muss, dass sich die Synchronisatoren ziemlich gelangweilt anhören. Abgesehen davon ist der Sound rundum gelungen.

BEDIENUNG

Zur Bedienung kann man eigentlich nicht viel sagen. Wie in anderen MMORPGs kann man beinahe alles mit der Maus und/oder der Tastatur steuern. Einige Aktionen können jedoch auch auf Hotkeys gelegt werden, wodurch alles viel schneller geht. Die Menüs sind übersichtlich.

GAMEPLAY

„Guild Wars“ ist ein rundum ausgeglichenes Spiel. Der Schwierigkeitsgrad steigt konstant und fair an, sodass eigentlich selten Frust aufkommt. Im schlimmsten Fall hilft eine gut ausbalancierte Gruppe, eine schwierige Quest zu lösen. Zudem bietet der Titel lang zeitig Spaß, da es viele interessante Quests und Missionen gibt und der Charakter sich ständig sichtlich weiter entwickelt. Als nettes Extra sorgen spezielle Events zu Weihnachten oder an Halloween für viel Spaß.

FAZIT

Das Fazit: Ja, „Guild Wars“ schafft es tatsächlich eine geradezu verboten gutes Preis- Leistungs- Verhältnis zu bieten. Die Spielwelt ist riesig und wird durch halbjährig folgende Erweiterungen immer größer und bietet immer neuere Herausforderungen für den Spieler, sodass einem einfach nie langweilig wird. In allen Punkten kann „Guild Wars“ mit der Konkurrenz mithalten. Vor allem Opto- akustisch macht der Titel einiges her. Das Gameplay ist fair und umfangreich und erfordert einiges an taktischem Können. Jedoch ist der Titel auch für Einsteiger in das Genre geeignet. MMORPG- Fans mit einem kleineren Geldbeutel können sich diesen Titel guten Gewissens zulegen, denn Dauerspaß wird auf jeden Fall geboten.


Seitenanfang nach oben